Selbstsabotage Diabetes – was nun?

Veröffentlicht von claudia am

Selbstsabotage im großen Stil

Selbstsabotage – egal ob in Bezug auf Diabetes, Ernährung oder unseren Selbstwert – wir alle sabotieren uns tatsächlich immer wieder selbst, und meistens merken wir es nicht einmal.
Dass ich gerne mal was hinauszögere, Zeit vertrödle oder Erledigungen aufschiebe war mir eigentlich schon immer bewusst.

Wie weitreichend und überdimensional meine Selbstsabotage aber tatsächlich ist, hat mich vor kurzem wirklich sprachlos gemacht.

Nicht erst seit ich die Diagnose Diabetes Typ 2 erhalten habe, habe ich immer wieder versucht ein paar Kilos abzunehmen.

So richtig versucht? Na ja.

Nach der Diagnose hatte ich meine Ernährung umgestellt und mir dadurch magischen, unglaublichen, phänomenalen Gewichtsverlust erwartet. Und siehe da: die ersten 10 Kilos waren relativ schnell weg und meine Blutwerte in einem akzeptablen Bereich angelangt. Wohlgemerkt akzeptabel, aber noch lange nicht so richtig gut.

Und eine Weile habe ich mich damit auch zufrieden gegeben.Schließlich war mein Diabetologe zufrieden und ich hatte mich ja bemüht und auch Erfolg gehabt.

Motivationsschübe – noch ein bisschen abnehmen und die Zuckerwerte weiter zu verbessern – waren zwar intensiv, aber schnell wieder vorüber.

Selbstsabotage - die Erste

Die erste Selbstsabotage war definitiv die effizienteste. Jahrelang, ja jahrzehntelang, hat sie ausgezeichnet funktioniert.

Es lief immer genau gleich ab:
  • Schritt 1: Der Beschluss abzunehmen
  • Schritt 2: Zwei bis drei diätgünstige Mahlzeiten –  gesund und relativ klein
  • Schritt 3: Eine Tafel Schokolade, ein Besuch im Fast-Food-Restaurant oder im Eissalon.
  • Schritt 4: Resignation oder “Pfeiff drauf”, ich krieg das halt nicht hin.
Bis letztendlich letztes Jahr folgendes passierte:
Mein Lieblingsmensch ging zum Arzt – wegen seinem erhöhten Blutdruck. Und dieser legte ihm ans Herz einmal für drei Wochen die Kohlenhydrate zu reduzieren.
Der Lieblingsmensch also ganz motiviert und strikt: Keine Kohlenhydrate für die nächsten drei Wochen. Es gab einen Tag lang nur low carb Mahlzeiten, am zweiten Tag kohlenhydratefreies  Mittagessen – und am Abend hat er einen Teller voll Kartoffeln gegessen.
Ich gestehe: Ein bisschen hat mich seine Inkonsequenz gefreut. Nicht weil ich ihm einen Misserfolg gönnte, seine Gesundheit liegt auch mir am Herzen. Aber mein Lieblingsmensch ist ein eher willensstarker Mensch – und selbst er scheiterte an diesem Vorhaben. Denn ja, für mich war die Sache durch.
Dann allerdings passierte etwas für mich total Verrücktes. Denn am nächsten Tag gab es wieder Fleisch und Gemüse. Keine Kohlenhydrate.
Und tatsächlich zum ersten Mal wurde mir klar: Nach so einem Aussetzer kann man genau da weitermachen wo man aufgehört hat.
So blöd das jetzt klingt: Diese Möglichkeit ist mir ungelogen niemals zuvor auch nur in den Sinn gekommen!

Das Fazit der drei Wochen für den Lieblingsmenschen war: Keinerlei Veränderung am Blutdruck, am Gewicht aber durchaus – zwei Kilos waren dahingeschmolzen.

    Selbstsabotage - die Zweite

    Nun stand unser Urlaub an. Zwei Wochen Gran Canaria – ab in die Sonne!
    Wir mieten uns immer ein nettes Ferienhäuschen, weil wir gerne unabhängig sind. Der Lieblingsmensch war nach wie vor motiviert, denn er fand die minus zwei Kilo zwar sehr gut, war aber entschlossen noch weitere 8 zu verlieren um sein Wunschgewicht zu erreichen.
    Ich selbst – bislang eher in der staunenden Beobachterpose – beschloss den Urlaub zu nutzen und mitzuziehen.
    Als erstes kaufte ich mir also im Supermarkt einen fertigen – abgepackten – Salat zum Grillfleisch am Abend. Der Lieblingmensch liebt diese Bratpaprika (pimentos de padron), die sind nicht mein Ding, ich mag keine Paprika.
    Als zweites arbeitete ich an meinem Mindset: Ein Minus von 3kg sollte es sein in den zwei Wochen. Ich konzentrierte mich darauf wie leicht, fit und energiegeladen ich mich fühlen würde, wieviel unnötigen Ballast ich verlieren würde, usw.

    Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt
    Es begann damit, dass mir mein supergesunder Salat  die ersten vier Tage des Urlaubs massiven Durchfall bescherte. Somit waren die geplanten drei Kilo innerhalb der ersten Woche weg.
    Aber ganz ehrlich? SO hatte ich mir das nicht vorgestellt!
    Fazit: Wenn du so eine Bestellung an dein Unterbewusstsein (oder auch ans Universum) aufgibst, solltest du sehr genau überlegen und vor allem genau formulieren, wie du dein Ziel erreichen möchtest 🙂
    Trotz allem muss ich gestehen: Drei Kilo weniger, drei Tage lang nur gekochte Möhrchen gegessen – die Motivation war nochmal gestiegen. Und nach so einer massiven Attacke auf den Darm sollte man ja sowieso noch ein paar Tage lang möglichst eingeweideschonend essen, nicht wahr?


    Selbstsabotage - die Dritte

    Wir waren uns also einig, das gesunde Essen ging weiter. Wir waren in diesem Urlaub übrigens nur zweimal auswärts essen. Dafür wurden wir zu Stammkunden in den nahegelegenen Supermärkten.

    Warst du schon mal in Spanien und hast dort am Süssigkeitenregal gestanden? Da gibt es in jedem größeren Supermarkt etwas, wonach man bei uns ziemlich lange suchen muss: Zuckerfreie Schokolade und zuckerfreie Kekse.

    Und natürlich schlägt die Claudia (also ich, hihi) da durchaus gerne zu. Zwei Tafeln Schoki, zwei Packungen Kekse – natürlich nicht alle für die zwei Wochen, den Rest kann man ja mit nach Hause nehmen. Zuckerfrei heißt ja nicht kohlenhydratefrei. Jaja, da kommt zur Selbstsabotage ganz fix mal Selbstbetrug hinzu.

    Es kam wie es kommen musste.

    Es gab viel Gemüse, ein bisschen Fleisch, ein bisschen Obst, Joghurt und ein paar Haferflocken. Und jedesmal wenn ich am Küchenschrank vorbeikam einen Keks. Und ich kam oft am Küchenschrank vorbei.

    Erst nach knapp einer Woche begann ich zu realisieren was ich da eigentlich tat: Ich sabotierte mich selbst. Und schön langsam begann ich System dahinter zu erkennen. Das war nicht einfach nur Willensschwäche, nein ich schädigte mich anscheinend vorsätzlich selbst.

    Naja –  Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Noch mal ran ans Mindset und Affirmationen wie “Ich esse gesunde Nahrung” und “Nach dem Abendessen gibt es einen Keks zum Nachtisch” eingefügt.

    Die Kekse waren trotzdem schneller als der Urlaub alle, aber das ständige Keksjagen und zwischendurchnaschen konnte ich damit tatsächlich in den Griff kriegen. Eine der Schokoladentafeln hat es sogar bis nach Hause geschafft.

    Selbstsabotage - die Vierte

    Wieder zu Hause angekommen hatte der Lieblingsmensch weitere 3 Kilos verloren. Ohne Darmstrapazen. Aber halt auch ohne Kekssabotage.

    Die Motivation hielt an und allmählich hatten wir uns an das Low Carb Essen gewöhnt. Einen weiteren meiner limitierten Glaubenssätze konnte ich ausmerzen: Bis zu diesem Zeitpunkt war ich der festen Überzeugung gewesen, dass ich ohne Kohlenhydrate niemals satt werden könnte (Mehr dazu hier). Nun hatte ich den Irrglauben entlarvt und verbannt.

    Außerdem hatte ich mir angewöhnt mehr auf mein Sättigungsgefühl zu achten und nicht weiter zu essen, wenn ich satt bin. Genauer gesagt habe ich visualisiert wie ich den Teller von mir weg schiebe, sobald ich satt bin. Es hat ein Weilchen gedauert bis ich tatsächlich in der Lage war mein Sättigungsgefühl besser einzuschätzen, aber nach ein paar Mahlzeiten hat das super geklappt.

    Ach ja, aber du ahnst es schon, oder? Wo es doch grade so toll lief, und die nächsten drei Kilos weg waren. Errätst du, wie man sich hier austricksen kann?

    Ganz leicht: Man isst einfach ein bisschen schneller. Ja, einfach ganz schnell alles reinstopfen, bevor das Sättigungsgefühl eine Chance hat, sich zu melden.

    Jetzt bin ich inzwischen ja schon ein bisschen schlauer und erkenne solche Attacken. Und als ich ein paar Mal nach dem Essen gemerkt habe, dass ich mich irgendwie trotzdem überessen hatte, ist mir dann auch aufgefallen, dass ich plötzlich immer viel schneller mit der Mahlzeit fertig war, als der Lieblingsmensch. Und nun heißt es also: bewusst langsamer essen und mal eine Pause dazwischen machen.

    Selbstsabotage - und nun?

    Nun ja, der wichtigste Schritt ist gemacht: Das System dahinter ist enttarnt, ich durchschaue die Tricks, die mein Körper mir da spielt früher oder später und ich kämpfe dagegen an.

    Es wäre natürlich gut herauszufinden was dahinter steckt – warum wehrt mein Körper sich so konsequent gegen den Gewichtsverlust? Hat er tatsächlich Angst vor der nächsten Hungersnot? Versucht er seine Reserven zu schützen? Oder steckt da etwas anderes dahinter?

    Sind auch hier wieder limitierende, unbewusste Glaubenssätze am wirken – “darf” ich nicht fit, gesund oder schlank sein? “Verdiene” ich es nicht?

    Es ist gar nicht so leicht, die Gründe dafür heraus zu finden, und vielleicht gelingt es uns nie alle zu finden.

    Wenn es dir aber so wie mir geht, bleib bitte am Ball und arbeite daran. Und auch wenn du nicht weißt was genau dahinter steckt, kannst du trotzdem gegenarbeiten.

    Affirmationen wie

    • “Ich verdiene es schlank zu sein”,
    • “Ich verdiene es gesund zu sein”,
    • “Ich bin fit und gesund”,
    • “Ich bin es mir wert gesund und schlank zu sein”

    und so weiter können helfen auch wenn du den Ursprung deiner Hindernisse nicht kennst.

    Ich halte dir die Daumen und bin mir ganz sicher, dass auch du aufhörst dich zu sabotieren – weil du es dir wert bist!

    Erzähl uns doch gerne in den Kommentaren ob und wenn ja du dich selbst sabotierst, wir können alle von einander lernen!

    Kategorien: Mindset

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