FDH – nicht als Diät sondern als Lebenseinstellung

Veröffentlicht von claudia am

FDH - warum es sich nicht als Diät eignet

Friss die Hälfte ist irgendwie sehr undefiniert, oder?
FDH, das steht für “Friss die Hälfte”
 “Frust durch Hungern” hab ich aber auch schon gehört.
Ich mag beide Definitionen nicht so besonders. “Friss die Hälfte” ist einfach keine Aussage – denn die Hälfte von was? Wie soll man  das messen? Soll man sagen “ich hätte heute theoretisch 2 Brote gegessen, also esse ich jetzt eines? Und einen halben Apfel? Einen halben Teller Suppe?” Weiß man tatsächlich, wieviel man gegessen hätte?
Und “Frust durch hungern” muss es auch nicht bedeuten, je nachdem wie man es umsetzt.
Aber halt – lass mich vorne anfangen.
Die längst Zeit meines Lebens konnte ich mit dem Begriff rein gar nix anfangen – weil es für mich immer zu wenig greifbar war. Also dass ich weniger essen sollte war mir schon klar, und mehr ist meistens mit der Aussage ja auch gar nicht gemeint. Aber das ist so wie wenn man einem Raucher sagt er soll zu rauchen aufhören, oder einem Hund sagt, er soll sich nicht den Hintern lecken.
Es gibt Menschen, die kommen mit FdH gut klar. Mein subjektiver Eindruck ist, dass es oft Männer sind, bei denen es klappt, fast immer sind es aber Menschen die eh nur ein paar Kilos über dem Optimum liegen. Und dann gönn ich denen das auch.
FDH als Diät
Wenn du aber nun mehr als 3-4 kg abnehmen möchtest, dann ist es keine gute Idee, einfach weniger zu essen. Du reduzierst dann die Kalorien, und natürlich nimmst du dann auch ab.
Nehmen wir einmal an, du schaffst es tatsächlich auf diese Weise 10 kg abzunehmen. Was ist in deinem Körper passiert?
Du hast weniger Kalorien zugeführt als du verbraucht hast und deshalb hat dein Körper auf die Fettreserven zurückgegriffen.
So weit so gut.
Und das wäre es auch, wenn du jetzt einfach so weitermachen würdest.
Im Normalfall hast du jetzt aber dein Ziel erreicht und fängst wieder ganz normal zu essen an.
Dein Körper freut sich! Die Hungersnot ist vorbei – hurra, endlich kommt wieder mehr Nahrung! Und er schwört sich eines: “DAS passiert mir so schnell nicht mehr!” Er lagert also Reserven ein, wo immer er kann. Mehr als je zuvor, denn er hat ja gelernt, dass die nächste Hungersnot jeden Moment vor der Tür stehen kann. Bald hast du 12 – 13 Kilo zugenommen und bist bereit für die nächste Not – ähm Diät. Das nennt man dann Jojoeffekt.
Dazu kommt noch, dass sich der Körper daran gewöhnt, wenn wir längere Zeit nur wenig essen. Der Stoffwechsel wird heruntergefahren und wir kommen plötzlich mit viel weniger Nahrung aus. Und dann kannst du dahin kommen, dass du zwar nur noch 800 Kalorien am Tag zu dir nimmst, dein Körper aber darauf eingestellt ist und du nimmst kein Gramm mehr ab.
 
FdH als Lebenseinstellung
Lange Zeit habe ich mich also geweigert eine zeitlich begrenzte Diät zu machen. Nicht dass das ein Problem gewesen wäre – länger als einen Tag habe ich ohnehin nie durchgehalten.
Vor einer Weile habe ich irgendwo (leider weiß ich nicht mehr wo) einen Artikel über die Weltwirtschaftskrise gelesen. Unter anderem ging es da um eine vermeintliche Studie von einigen Wissenschaftlern (in den USA). Man ging davon aus, dass die Mangelernährung durch die Krise zu einer höheren Sterblichkeitsrate führen würde. Am Ende stellte sich das Gegenteil heraus – das unfreiwillge Fasten hatte die Lebenserwartung kurzfristig erhöht.
Natürlich spielten auch andere Faktoren (wie zum Beispiel weniger Arbeitsunfälle aufgrund vermehrter Arbeitslosigkeit) eine Rolle, aber die Ergebnisse waren trotzdem erstaunlich.
Deutlich macht das, wie ich finde, dass wir heutzutage wirklich alle zu viel essen. Der Steinzeitmensch an sich muss mit viel weniger ausgekommen sein. Unfreiwilliges Fasten war auch bei ihm an der Tagesordnung. Oft gab es tagelang nur ein paar Beeren oder Nüsse, okay, irgendwann gab es dann auch ein ganzes Mammut.
Heutzutage haben wir aber immer Nahrung zur Verfügung. Und die nutzen wir auch.
Nicht nur, dass wir uns von ganz viel Schrott ernähren (Glutamat, Industriezucker, Fertiggerichte, Fast Food, usw.) wir essen auch viel zuviel davon.
Der Körper hat sich darauf eingestellt. Statt mit ein paar hundert Kalorien auszukommen, verarbeitet er zwei- bis dreitausend oder mehr am Tag.
Hier kommt für mich Fdh als Lebenseinstellung ins Spiel. Wir alle sind so auf Essen – auf Essen aus Genuss – getrimmt. Vielleicht wäre es also eine gute Idee, auch hier einmal das Mindset neu zu formulieren. Denn wir brauchen keine 2500 Kalorien am Tag.
Und wenn ich selbst auch garantiert die Letzte bin, die von 800 Kalorien am Tag leben möchte – ein bisschen weniger könnte nicht schaden, oder? Ein bisschen weniger Fokus auf Genuss, dafür ein bisschen mehr Fokus auf Gesundheit.
Nahrung ist vorrangig dazu da uns am Leben und am Laufen zu halten. Das mit dem Genuss ist nur der Bonus, der Luxus.
Wir könnten dankbar sein für diesen Luxus, ihn genießen, ohne immer gleich übertreiben zu müssen.
Kategorien: Ernährung

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